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Thema: Info-Block März von WL Gerhard Mohr

  1. #1
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    Info-Block März von WL Gerhard Mohr

    Info-Block März
    Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene
    WL Gerhard Mohr, Landeszuchtwart Vorarlberg, A 6952 Hittisau, Bolgenach 248
    Tel:0699/10855137 E-Mail: gerhard.mohr@vol.at

    Steckbrief:

    Gerhard Mohr, geb. 01.08.1965
    Verheiratet, 3 Kinder, Beruf: Hauptschullehrer
    Betreuung von ca. 40 Bienenvölkern und dem Lehrbienenstand des Imkerverbandes.
    Funktionen: Gesundheitswart im örtlichen Verein, Wanderlehrer, Kurse für Neuimker, Landeszuchtwart.

    Liebe Imker/innen!

    März - Erwachen der Natur

    In den meisten Jahren erwacht Anfang März die Natur endgültig aus ihrem Winterschlaf. Die zunehmende Kraft der Sonne schmilzt an sonnigen, geschützten Stellen die Schnee- oder Eisdecke weg und erste Frühlingsboten wie Schneeglöckchen und Krokus sprießen aus der Erde. Die Zugvögel kehren aus ihren Winterquartieren zurück. Morgens, schon vor Sonnenaufgang, fangen die Singvögel wieder zu zwitschern an und an warmen Nachmittagen können wir unsere Bienen und andere Insekten auf den ersten Frühjahrsblühern beobachten. Bei gutem Flugwetter überschlagen sich die Bienen fast vor Arbeitseifer. Der Bienenstock wird sauber geputzt und Totenfall beseitigt. Erste Nektartropfen, viel Pollen und vor allem Wasser werden eingetragen. Jetzt stellt das Bienenvolk endgültig seinen Status von Winterruhe auf Brutaktivität um. Auch im naturverbundenen Imker pulsiert nun das Leben und er/sie kann es kaum erwarten, zu seinen/ihren Bienen zu gehen, um ihr emsiges Treiben zu beobachten.

    Text: Es ist eine Augenweide, den Bienen beim Sammeln des leuchtend-orangen Pollens in den Krokusblüten zuzusehen.

    Es gibt aber auch Jahre, in denen der Winter bis weit in den März hinein dauert. Der schneereiche Winter 2005/06 war z.B. so ein Jahr. Von Ende November bis Mitte März konnten die Bienen bei uns nicht ausfliegen. Das erste Märzdrittel war geprägt von eisiger Kälte um -15° Celsius und einer Schneehöhe von über einem Meter. Trotzdem überwinterten die Bienenvölker ausgezeichnet und zeigten eine zwar späte, aber sehr gute Entwicklung.
    Im Allgemeinen bietet das Wetter im März von allem etwas: Kälte, Wärme, Schnee, Regen und Sonnenschein.
    Für das Bienenvolk beginnt jetzt eine schöne, aber auch harte Zeit. Es muss die “Durchlenzung” schaffen, den Übergang vom Winterbienenvolk zum Sommerbienenvolk. Sammeltätigkeit, Futterbereitung und Brutpflege belasten die Winterbienen enorm und verkürzen ihre Lebensdauer. Was an jungen Bienen nachkommt, reicht noch nicht aus, um den Abgang an Winterbienen auszugleichen. Frühestens zur Tag/Nachtgleiche, meist aber erst gegen Ende des Monats ist die Depression überwunden und die Völker beginnen zu wachsen. Kranke oder angeschlagene Völker (Varroa, Nosema) schaffen diesen Übergang nicht.

    Erste Maßnahmen

    Die ersten Arbeiten an den Bienen richten sich nach den Wetterbedingungen. Treten ein paar Tage mit mindestens 12° C Schattentemperatur auf, so kümmere ich mich zuerst um die Bienenvölker, die aufgrund der Stockwindel und der Fluglochbeobachtung als “Problemvölker” notiert wurden.
    Weisellosigkeit: Ein weiselloses Volk zeigt meist schwächeren Flug, kaum Polleneintrag und erhöhten Futterverbrauch über den Winter. Macht es einen starken und gesunden Eindruck, so beweisle ich es mit einem Reservevolk. Mit der Flachzarge geht das denkbar einfach. Dazu wird einfach das Reservevolk, das auf einer Flachzarge überwintert hat, auf das weisellose draufgesetzt. Wenn man will, kann man ein angefeuchtetes Zeitungspapier dazwischengeben, das die Bienen vor der Vereinigung durchnagen müssen. Es ist aber nicht nötig, denn um diese Jahreszeit funktioniert eine Vereinigung problemlos.
    Schwieriger wird es schon, wenn das weisellose Volk drohnenbrütig geworden ist.
    Eine Beweiselung rentiert sich nicht und die Bienen werden einige Meter abseits des Standes von den Waben abgeklopft, damit sie sich bei den Nachbarvölkern einbetteln können. Die eierlegenden Arbeitsbienen (Aftermütterchen) sind flugunfähig und bleiben am Boden sitzen.

    Text: Drohnenbrütiges Volk im Frühjahr. Die erhöhten Zellen (Buckelbrut) zeugen davon, dass eierlegende Arbeiterinnen den Part der Königin übernommen haben. Aus ihren unbefruchteten Eiern können nur Drohnen entstehen.
    Kranke und stark geschwächte Völker mit schmierigen oder verkoteten Waben sollten auf jeden Fall aufgelöst werden. Am besten schließt man nach Einstellung des Fluges das Flugloch und brennt eine Schwefelschnitte ab. Diese Methode ist zwar hart, aber notwenig, um ein Anstecken der Nachbarvölker zu vermeiden. Die Futterwaben solcher Völker müssen unbedingt eingeschmolzen werden, auch wenn sie noch so schön sind. Es besteht sonst akute Ansteckungsgefahr! Wer regelmäßig im Frühjahr mit schwachen Völkern zu tun hat, macht bei der Nachsommerpflege Fehler oder imkert an einem ungünstigen Standort.

    Grundsätze meiner Betriebsweise mit der Flachzarge

    Die Flachzarge eröffnet dem Imker viele Möglichkeiten der Betriebsweise. Die niedrige Zarge lässt ein sanfteres Erweitern als mit Ganzzargen zu.
    Auch Zargentausch, Rotation der Brutraumzargen und Zwischenschieben wären leichter möglich und werden in der Imkerliteratur oft empfohlen. Persönlich halte ich von solchen Eingriffen ins Brutnest nicht viel. Sie entsprechen nicht meinem Verständnis von natürlicher Bienenhaltung. Die Harmonie im Bienenvolk wird empfindlich gestört und mitunter auch der Wärmehaushalt komplett durcheinander gebracht.

    “Ich glaube nicht, dass wir Bienenvölker zu einer guten Entwicklung zwingen können, sie entwickeln sich nach ihrer Veranlagung von selbst. Wir können ihnen aber die richtigen Voraussetzungen dafür bieten.”

    Hierauf konzentriert sich meine Völkerführung und ich bemühe mich um
    · einen guten Standort (windgeschützt, Trachtangebot)
    · ganzjährig ausreichende Futterreserven
    · rechtzeitige Erweiterung und genügend Baumöglichkeit
    · wirksame Varroadezimierung
    · genetisch gut veranlagte Königinnen
    Im Wesentlichen also die gleichen Ziele wie beim Imkern mit Ganzzargen, nur - so meine ich - lässt sich manches mit Flachzargen leichter bewerkstelligen.

    Imkern im März
    Im März steht bei den Völkern eine kurze Futter- und Brutkontrolle an, die in einem Arbeitsgang gemacht werden kann.
    Für die Futterkontrolle genügt oft ein kurzes Anheben der oberen Zarge oder ein Blick in die Wabengassen. Anfang März sollten noch 8-10 kg Reserven im Volk sein, denn der Futterverbrauch beginnt jetzt erst richtig anzusteigen. In den brutfreien Monaten November, Dezember und Jänner benötigt ein Volk etwa 1 kg Futter, im Februar 2 kg, im März und April aber bis zu 5 kg Winterfutter.
    Wenn links und rechts des Bienensitzes schöne “Speckwaben” vorhanden sind, braucht man sich keine Sorgen zu machen. Beträgt aber die Futtermenge bei einem Volk weniger als 5 kg, so füttere ich nach. Zu diesem Zweck habe ich (fast) immer einige Zargen mit Futterwaben im Keller. Sind keine Futterwaben mehr vorhanden, muss eben flüssig gefüttert werden. Um diese Jahreszeit ist invertiertes Futter (z.B. Apiinvert) die bessere Lösung als Zuckerwasser. Wenn man Zuckerwasser reicht, sollte dies bei schönem Wetter und Pollenflug stattfinden, damit die Bienen die Möglichkeit haben, es ausreichend zu verarbeiten. Grundsätzlich bringt aber eine “Frühjahrsreizung” mit Zuckerwasser keinen Vorteil. Winterbienen sind von der Natur darauf “programmiert”, Futterzellen zu öffnen und für die Aufzucht der Brut zu verwenden. Sie brauchen keinen zusätzlichen Anreiz.

    Text: Zur Weidenblüte kommt das Brutnest in Schwung. Sie bietet den Bienen hochwertigen, proteinhaltigen Pollen und Nektar an.

    Text: Weibliche Weide: Sie liefert zwar keinen Pollen, aber ausgiebig Nektar. Weiden sind “zweihäusige” Pflanzen, d.h. männliche und weibliche Blüten sind nicht auf derselben Pflanze.

    Brutkontrolle

    Für eine erste Brutkontrolle sollten mindestens 15° C Schattentemperatur vorhanden sein. Dabei ziehe ich im oberen Magazin kurz eine der mittleren Waben. Ich überprüfe, ob alle Brutstadien vorhanden sind und danach wird die Wabe wieder zurückgehängt. Keinesfalls sollte man jetzt im Brutnest “herumwühlen” oder die Königin suchen. Um diese Jahreszeit ist sie noch nervös und es könnte passieren, dass sie von ihren Bienen eingeknäuelt und abgestochen wird. Nach Möglichkeit kontrolliere ich bei jedem Volk das Vorhandensein von Brut. Denn es ist mir auch schon passiert, dass Völker, die am Flugloch schönsten Pollenflug gezeigt haben, drohnenbrütig waren.

    Text: Die Kontrolle zeigt eine mustergültige Brutnestanlage

    Entfernen Altwaben


    Bei einigen Völkern steht im Vorfrühling noch die Entfernung von Altwaben an. Sie wurden aus diesem Grund auf 3 Flachzargen eingewintert. Die Brut startet im Frühjahr immer im zweiten oder dritten Magazin. Jetzt kann das unterste Magazin mit den alten Waben ohne große Störung in einem Block entfernt werden. Damit ist auch der Raum wieder besser an die Volksstärke angepasst. Einzelne, teilweise besetzte Waben werden vor dem Flugloch abgekehrt. Weil diese Waben oft Pollen enthalten, warte ich mit der Maßnahme bis die Völker Pollenflug zeigen.

    Trachtverbesserung

    Am Ende dieser Monatsbetrachtung möchte ich noch ein Wort über Trachtverbesserung verlieren. Mit keiner Maßnahme können wir unseren Bienen im Frühjahr einfacher nützen, als mit der Pflanzung von Weidenstecklingen in unmittelbarer Nähe des Bienenstandes, denn gerade im Vorfrühling ist ihr Flugradius bei kühlem Wetter noch sehr klein. Man schneidet einfach von fingerdicken Weidenruten etwa 30 cm lange Stücke ab und steckt sie schräg in den Boden. Wenn sie feucht gehalten werden, wachsen die meisten an und verbessern schon in wenigen Jahren die Bienenweide. Die Pflanzung von früh-, mittel- und spätblühenden Arten verlängert das Trachtangebot. Auch das Eingraben von Krokuszwiebeln im Herbst kann die Entwicklungstracht verbessern.
    Schwieriger ist es schon, die für den Spätsommer so wichtigen Pollenspender zu bekommen. Die ausgeräumten Fettwiesen der Intensivlandwirtschaft bieten um diese Zeit kaum ein Nahrungsangebot für Bienen. Als einzige Hoffnung bleiben in Hausgärten gepflanzte ein- oder mehrjährigen Blumen: z.B. Astern, Fetthenne, Goldrute, Sonnenblume, Sonnenbraut, etc.
    Jetzt im März ist der Arbeitsaufwand bei den Bienen noch nicht groß und wir können uns in Ruhe diesen Maßnahmen widmen.
    Hauptnahrungsangebot aller Insekten. Wenn wir Weiden pflanzen nützen wir nicht nur den Bienen und leisten einen wichtigen Beitrag für die Natur.

    Ihr Monatsbetrachter

    Vorschau auf April:
    · Natur und Bienenvolk im April
    · Erwachen des Bautriebs
    · Erste Erweiterung
    Meine Herkunft liegt im Südburgenland, auch wenn ich jetzt lieber in die Südstadt heimkomme. http://www.imker-burgenland.at

  2. #2

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