Info-Block Mai 2007

Tipps für Anfänger und Fortgeschrittenen

IM Hans Rindberger, Bio-Imker, A-4893 Zell am Moos, Gassen 12,
Tel./Fax 0 62 34/83 56, E-Mail: hans.rindberger@aon.at



Die Natur schlägt zurück

Auch unter diesem Titel könnte man die Mitteilungen, die mich in der letzten Zeit erreicht haben, überschreiben. In vielen Berichten, zum Teil aus Amerika, wird der katastrophale Ausfall der Honigbienenbestände auf nicht erklärbare Phänomene zurückgeführt. Gleichzeitig gibt es die Vermutung, dass ein mehr oder weniger großer Teil der Ausfälle direkt oder indirekt auf den Einsatz von Gentechnik im Landbau zurückzuführen ist. Man wird dies hoffentlich bald klären.
Sollte ein diesbezüglicher Zusammenhang festgestellt werden, gäbe das eine weitere Möglichkeit der Argumentation gegen die Pflanzengentechnik. Es ist zwar traurig, dass erst bei katastrophalen Situationen das allgemeine Interesse für bestimmte Zustände geweckt wird, aber in dieser Angelegenheit könnten unsere Honigbienen ein schnelleres Umdenken und Handeln bewirken.
Wenn die Menschheit versucht, der Natur über die Hintertür noch mehr abzupressen, werden die negativen Folgen nicht mehr auf sich warten lassen.
Dazu das Wort eines Altmeisters der Naturwissenschaft, er hat schon vor über 200 Jahren diese Zusammenhänge durchschaut:

„Die Natur hat sich so viel Freiheit vorbehalten,
dass wir mit Wissen und Wissenschaft ihr nicht durchgängig
beikommen können oder sie in die Enge treiben.“

oder

„ Die Natur bekümmert sich nicht um einen Irrtum;
sie selbst kann nicht anders als ewig recht handeln,
unbekümmert,
was daraus erfolgen möge.“

Aus “Maximen und Reflexionen“ von Johann Wolfgang von Goethe

Der Mai ist gekommen....
Nun wollen wir nicht allzu pessimistisch sein, das Frühjahr ist endgültig da und die Vegetation erreicht in diesem Monat die ersten Höhepunkte. Die Bienen haben es jetzt besonders eilig, wahrscheinlich unbewusst ihre Dienste an der Natur zu verrichten, jedoch sehr bewusst, ihrem Triebleben folgend, sich zu vermehren und sich eventuell zu teilen. Wenn man die Sammlerinnen auf den Löwenzahnblüten beobachtet, wie sie sich in die Blüten hineinwühlen, sich über und über mit Pollenstaub bedecken und dabei auch noch Nektar saugen, hat man den Eindruck, dass diese schwere Arbeit für das Insekt auch mit großem Wohlgefühl verbunden ist.
Jedenfalls sollte der Imker in dieser Zeit neben der vielen Arbeit auch seine Beobachtungen machen und daraus die Begeisterung für die Bienenhaltung stärken.

Meine persönlichen Zuchtmethoden

Der Mai und bei uns auch noch durch die Höhenlage der Juni sind die beste Zeit für Zucht und Vermehrung. Zur Bestandsicherung und Vermehrung der Bienenvölker stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Schwärme, Brutablegerbildung, Kunstschwärme, Fluglinge, Sauglinge usw. Zu fast allen Methoden außer dem Naturschwarm braucht man Königinnen. Diese können über Schwarmzellen oder auch künstlich angelegte Verfahren erstellt werden.
Ich verwende nur Naturschwärme, Fluglinge mit Schwarmzellen und Brutableger zur Vermehrung und Ergänzung in meinem Betrieb.
Die Königinnen für die Brutableger werden im üblichen Zuchtverfahren erstellt mit der Einschränkung, dass die reifen Weiselzellen direkt in die gefüllten Zuchtkästchen oder Drei-Waben-Ableger kommen.
Eventuell werden auch Schwarmzellen mitsamt der Wabe und ansitzenden Bienen in Form von ebenfalls Drei-Waben-Ablegern zur Königin-Vermehrung verwendet und am Begattungsplatz aufgestellt.
Wie auch Karl Pfefferle in seinen Büchern anmerkt, sollte das Schlüpfen der jungen Königinnen unbedingt im Volk stattfinden.
Die Brutableger werden im Mai mit drei, im Juni mit fünf und im Juli mit neun Waben erstellt. Da ich nur Ende Mai eine bis drei Zuchtserien anlege, muss im Juni und Juli eine fertige Königin zugesetzt werden. Diese Ablegerbildung hängt im Mai und Juni mit der Erweiterungsmöglichkeit und dem Schwarmdruck zusammen, im Juli ist die Erstellung von den Trachtaussichten abhängig.
Die Zusammenstellung kann nach Bedarf von verschiedenen Völkern sein. Man muss nur aufpassen, dass keine Königin dabei „mitgeht“; entweder verwendet man das „Pfefferle Ruck-Zuck-Verfahren“ oder man schaut die Waben etwas genauer an. Da die Königin durch die Rauchgaben sofort in tiefere Bereiche flüchtet, sitzen auf den Waben meistens nur Jungbienen.

Die künstliche Zucht

Der Zuchtstoff und drei bis fünf Drohnenvölker werden ausgesucht, die Körung erspare ich mir schon seit einiger Zeit. Die Zucht wird nach den üblichen Methoden angelegt, am zehnten Tag kommen die reifen Weiselzellen in die gefüllten Zuchtkästchen. Auf einer großen Waldlichtung, bei der ich im Radius von ca. fünf Kilometern keine anderen Bienenhalter habe, wird die Zucht aufgestellt. Hier versuche ich so gut es geht, Auslesezucht zu betreiben. Auch da ist bei der Aufstellung von Königinnen und Drohnen meiner Erfahrung nach die „gute Platzwahl“ sehr wichtig. Ich habe jedenfalls immer einen guten Begattungserfolg und gemessen am Belegstellen-Fahren relativ wenig Aufwand.
Die Abgrenzung der Drohnen ist bei meinem Verfahren nicht so genau wie bei einer offiziellen Belegstelle. Diese scharfe Abgrenzung ist solange keine „gelben“ Drohnen fliegen meiner Ansicht nach nicht so wichtig. Die Feinarbeit der Königinnenzucht muss durch Anleitungen erfahrener Imker, durch Kurse oder entsprechend gute Literatur vermittelt werden. Das Ganze hier zu beschreiben würde den Rahmen sprengen.
Da ich bei meiner Betriebsweise nie eine Königin suchen muss, zeichne ich sie schon lange nicht mehr. Bei Verkäufen wird es auf Wunsch gemacht.
Das Flügelschneiden ist in der Bio-Imkerei nicht gestattet, ich würde es ohnehin nicht machen.

Zwischenableger

Wie an anderer Stelle schon erwähnt, kann ich mir bei den Außenständen aus wirtschaftlicher Sicht das Schwärmenlassen nicht leisten. Hier versuche ich durch kleine Schröpfungen oder im akuten Fall durch Zwischenableger das Schwärmen zu verhindern. Kommt mir bei der Durchsicht (Drohnenbrutentnahme) ein schwarmbereites Volk unter (die Weiselzellen enthalten Eier oder Maden), wird bei diesem Volk ein Zwischenableger (wird auch als Flugling bezeichnet) gemacht.
In aller Kürze die Beschreibung: Besteht das Volk aus drei Zargen (Zander) und ist gut gefüllt, wird für den Flugling ein viertes Magazin hergerichtet. Hat das Volk bereits vier Magazine zur Verfügung, wird der obere Honigraum für den Flugling verwendet. In diesem Fall muss man sich überzeugen, dass die Königin nicht in diesem Honigraum ist (durch Rauchgaben vor dem Abheben ist die Königin immer weiter unten). Das Bienenvolk wird ohne Boden zur Seite gestellt, auf den Boden kommt der erwähnte Honigraum oder das Leermagazin, bestückt mit einer offenen Brutwabe (damit sich der Flugling nicht weisellos fühlt) und links und rechts einige Mittelwände und ausgebaute Waben. Besteht Tracht, werden die Mittelwände schnell ausgebaut. Ist Schlechtwetter angesagt, muss auch einiges an Vorrat eingehängt werden, ansonsten geht es dem Flugling schlecht. Darüber kommt ein dichter Zwischenboden mit offenem Flugloch, das auf der Seite stehende Volk wird daraufgesetzt - fertig. Das Ganze kann nur vormittags und bei Schönwetter durchgeführt werden. Durch den Verlust der Flugbienen ändert das aufgesetzte Volk die bestehende Schwarmlust von selbst. Die bestehenden Weiselzellen werden von den Bienen ausgeräumt, die Königin geht nach ca. einer Woche wieder in Eilage. Nach neun Tagen muss das Volk wieder rückgesetzt werden (bevor unten eine Nachschaffungskönigin schlüpft) oder die Brutwabe unten wird durch eine neue offene Brutwabe ersetzt, sollten „oben“ die Anzeichen der Schwarmbereitschaft noch nicht verschwunden sein. Das geht alles schneller als es beschrieben wird, man braucht keine Weiselzellen ausbrechen, das Bienenvolk wird nicht allzu sehr gestört und bleibt für die zu erwartende Waldtracht beisammen.

Flugling mit Weiselzellen

Möchte man dasselbe mit noch weniger Störung und gleichzeitiger Vermehrung durchführen, wird statt einer offenen Brutwabe eine Wabe mit einer oder zwei schönen Weiselzellen in den Flugling gegeben. Achtung, diese Brutwabe darf nicht erschüttert werden, die Weiselzellen sind fallweise sehr empfindlich. Hier wird für den Flugling ein neues Magazin verwendet. Das „Altvolk“ kann da auch daneben platziert werden. Wichtig ist nur, dass der Flugling mit altem Boden am Platz bleibt und das daneben abgestellte Altvolk einen neuen Boden bekommt. Nach ca. drei Wochen ist aus dem Flugling ein neues Volk geworden. Es kann auf dem Platz weitergepflegt werden oder an einen Ablegerplatz (außerhalb des Flugbereiches) verbracht werden. Werden aus Platzmangel die Völker (wie beim Zwischenableger) übereinander gestellt, muss nach ca. drei Wochen eines der Völker den Platz verlassen. Das Restvolk ist dann natürlich schwächer als nach einem Zwischenableger, es wird im Normalfall um ein Magazin verkleinert und kann aber dadurch, dass es keine weiteren Schwärme gibt, durchaus noch eine gute Tracht bringen.

Die Zucht in der Bio-Imkerei

Alle erwähnten Zuchtverfahren sind auch in den Bio-Imkereien gestattet soweit sie Mitglieder bei Bio-Austria oder Kodexbetriebe sind. Zukäufe von Bienenvölkern oder Königinnen müssen von zertifizierten Betrieben erfolgen. Es gibt bereits einige anerkannte Züchter im Bio-Bereich. Information bekommt man bei den jeweiligen Landesverbänden. In eingeschränkter Form können auch von konventionellen Züchtern nackte Schwärme und Königinnen bezogen werden. In Demeter-Imkereien (in Österreich sehr wenig vertreten) gibt es keine künstliche Königinnenzucht, hier kann nur mit Schwärmen, Ablegern und Schwarmzellen vermehrt werden. Weiters ist im Brutraum nur Naturbau gestattet.

Erste Ernte

Gegen Ende des Monats kann schon die erste Honigernte anstehen. Vor allem dort, wo die Bienen Rapsfelder zur Verfügung haben, wird der Imker die Bienen bald „erleichtern“. Bei der Ernte etwas zuzuwarten um dadurch eine besser Honigqualität zu erreichen, ist zu empfehlen. Die richtigen Tage zur Honigentnahme auszuwählen, ist eine große Erfahrungsangelegenheit in der Imkerei. Besonders der Frühjahrshonig ist in Gefahr, dass der Wassergehalt zu hoch ist. An Trachttagen (Waagstockzunahme) kann man keinen Honig entnehmen. Ich schleudere an Tagen mit Mond-Wasserkonstellationen (Fische, Krebs und Skorpion) im astrologischen Kalender keinen Frühjahrshonig. Meistens sind an diesen Tagen die höchsten Waagstockzunahmen. Bei späteren Massentrachten vom Wald lässt sich diese Berücksichtigung nicht immer ganz einhalten. Jedenfalls soll der Honig in den Waben zum größten Teil verdeckelt sein und bei der „Spritzprobe“ (abstoßen) darf kein Honig aus den offenen Wabenzellen tropfen. Nach einem Regentag (Trachtpause) ist eine Honigentnahme meistens günstig. Bei uns steht die erste Ernte erst meistens Mitte Juni an. Die Haupttracht sind der Löwenzahn und der Bergahorn. Wenn wir mit der Honigentnahme zu sehr zuwarten, kann eine Überschneidung mit der Waldtracht passieren. Da bei uns grundsätzlich kein Absperrgitter verwendet wird, ist ein Teil der Ernte immer Mischhonig.
Bewährt hat sich auch ein Luftentfeuchter im Schleuderraum. Durch die Absenkung der Luftfeuchtigkeit ist gewährleistet, dass der kurzfristig offene Honig keine Feuchtigkeit anzieht.
Zu eventuelle Anfragen betreffend dem Mondkalender sei noch Folgendes angemerkt. Es gibt leider zwei voneinander abweichende Kalender: der offizielle Mondkalender und die Aussaattage von Maria Thun. Diese beiden Kalender weichen in ihren Angaben voneinander ab. Die „Aussaattage“ sind ca. um eineinhalb Tage „hinten“. Ich habe Frau Thun vor längerer Zeit dahingehend schriftlich gebeten mir das zu erklären. Die Antwort war sehr spärlich, sie hat mir nur mitgeteilt, dass der andere Kalender einfach nicht stimme. Ich weiß, dass die „Aussaattage“ sehr viel verwendet werden. Vielleicht ist unter den Lesern jemand, der eine brauchbare Erklärung für diesen Umstand hat. Wenn ich die fallweisen Anzeichen in der Natur beobachte, gerade was die „wässrigen“ Tage betrifft, so kommt mir der offizielle Kalender „richtiger“ vor.

Ihr Hans Rindberger