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Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene

IM Hans Rindberger, Bio-Imker, A-4893 Zell am Moos, Gassen 12,
Tel./Fax 0 62 34/83 56, E-Mail: hans.rindberger@aon.at

Portrait


Hans Rindberger, geb. 26. Februar 1949, am elterlichen Bauernhof beschäftigt, Bankangestellter, Musikstudium an der Hochschule Mozarteum in Salzburg mit Abschluss in Musikerziehung und künstlerischem Diplom, 12 Jahre Leiter der Landesmusikschule in Frankenmarkt.
Seit 1962 mit Bienen vertraut, derzeit Erwerbsimker nach biologischen Grundsätzen und offizielle Abgrenzung zur konventionellen Imkerei durch Beitritt zum Bio-Verband „Ernte für das Leben“ (jetzt „Bio-Ernte Austria“).

Liebe Imkerin, lieber Imker!

Auf Wunsch des Redaktionsteams der neuen österreichischen Imkerfachzeitschrift „Bienen aktuell“ wurde ich eingeladen, meine monatliche Berichterstattung, die ich im Oktober in der „Bienenwelt“ und „Alpenländischen Bienenzeitung“ begonnen habe, auch in der nun vorliegenden neuen Fachzeitschrift fortzusetzen. Um dem Neuzugang an Leserinnen und Lesern den Diskussionsanschluss zu erleichtern, werde ich wesentliche Aussagen zur Bio-Imkerei, die in den zurückliegenden Ausgaben bereits erläutert wurden, nochmals in kurz gefasster Form präsentieren. Die ökologische oder biologische Imkerei wird das Hauptthema meiner Beiträge sein.

Der Umgang mit den Bienen im Zusammenhang mit dem Bio-Landbau ist eine interessante Herausforderung. Ich betreibe diese Arbeit leidenschaftlich und hoffe, dass ich durch die Weitergabe meiner Erfahrungen einiges zur Verbesserung der derzeit problematischen Situation der Imker beitragen kann. Wir brauchen eigenverantwortliche Menschen, die – besonders in der Landwirtschaft, zu der auch die Bienenhaltung gehört – Hilfsmitteleinsätze, die ihnen vorgegeben oder eingeredet werden, stärker hinterfragen und auf ihre langfristige Auswirkung genauer überprüfen.
Der Einsatz von naturschädlichen Mitteln und Methoden in der konventionellen Imkerei oder Landwirtschaft wird leider schlecht oder überhaupt nicht kontrolliert. Die Anwender sind sich oft nicht bewusst, welche Schäden Gifte oder zu gut gemeinte Dosierungen langfristig anrichten. Tauchen dann von Zeit zu Zeit Rückstände in einem Produkt oder in der Umwelt auf – wir kennen das zur Genüge – stürzen sich alle auf den Verursacher. Das lenkt meistens vom grundsätzlichen Problem ab. Eine konsequente Regelung, die Missbräuche oder überhaupt Gifteinsätze verhindert, hat nur der Bio-Landbau. Er beträgt jedoch leider nur 10% der Gesamtlandwirtschaft.

Mein Wunsch für die Bienenhaltung ist, dass eines Tages alle Imker nach den Richtlinien des Bio-Landbaues arbeiten würden. Wir bräuchten dann keine Abgrenzung mehr und für die gesamte Imkerschaft wäre die Bezeichnung „naturnah“ wieder zutreffend. Derzeit hat als einziges europäisches Land nur Dänemark ein nationales Verbot von nachhaltig problematischen Medikamenten bei der Bienenhaltung.

Preis für Umwelt und Natur
Unser Betrieb hat 2003 vom Land Oberösterreich einen Landespreis für Umwelt und Natur bekommen. Der Preis ist als Anerkennung für die Arbeit mit den Bienen in den letzten 20 Jahren zu verstehen. Dazu die Presseaussendung der OÖ. Akademie für Umwelt und Natur anlässlich der Preiszuerkennung:

OÖ. Landespreis für Umwelt und Natur 2003 Einzelpersonen

Familie Rindberger betreibt eine Bio-Imkerei mit über 100 Bienenvölkern. Seit dem Auftreten der Varroamilbe (Bienenschädling) im Jahr 1986 hat Herr Rindberger versucht, den Schädling ohne Einsatz chemischer Mittel unter der Schadschwelle zu halten. Die eingeschleppte Milbe vermehrt sich in der Bienenbrut und eine natürliche Anpassung der Bienen gegen die Milbe ist nicht zu erwarten. Die österreichischen Imker verwenden seit 1988 das Bekämpfungsmittel Apistan, welches aber den Nachteil hat, dass es nicht zerfällt, sondern sich im Bienenwachs anreichert. Die Varroamilbe ist mittlerweile resistent geworden gegen das Mittel und so wurde im Laufe der Zeit der Schädling noch stärker gemacht.
Seit 1987 setzt die Bio-Imkerei Rindberger nur noch Ameisensäure und Milchsäure (organische Säuren) zur Bekämpfung ein. Dazu kommen noch biotechnische Verfahren wie Drohnenbrutentnahme und eigene Zuchtauslese.
Diese Anwendungen wurden selbst entwickelt und in Zusammenarbeit mit Imkern aus Deutschland erarbeitet. Die Anwendung der natürlichen Säuren und der anderen Methoden gegen den Schädling ist natürlich aufwändiger, als einfach Gifte zu verwenden, was außerdem zu Altlasten in Bienenstöcken führt.
Die Bio-Imkerei verwendet weiters keinerlei Kunststoffe in den Honiglagern, diese sind aus Edelstahl, und die Bienenkästen bestehen aus unbehandeltem Holz.
Die Methoden der Imkerei Rindberger waren lange Zeit sehr umstritten in der österreichischen Imkerschaft, jedoch fand ein Umdenken statt und Herr Rindberger hält seit 2002 Kurse über Bio-Imkerei bei der oberösterreichischen Landwirtschaftskammer und in der Imkerschule.

Warum Bio-Imkerei?

Viele Imker/innen wundern sich noch immer über die laufend stärker und aggressiver werdenden Bienenschädlinge und daraus resultierenden Völkerverlusten. Sie haben noch nicht begriffen, dass zum Teil die Medikamentenanwendung der letzten 20 Jahre die Ursache dafür ist. Angesichts dieser Medikamentenpalette, deren Rückstände im jetzigen Bienenwachs und Propolis feststellbar sind, noch von Naturnähe der Imker zu sprechen, ist nicht zu vertreten!
Beispiel Varroa: durch die Anwendung der üblichen Medikamente, die alle nur auf Milben wirken, die sich auf den Bienen befinden, ist eine fatale Milbenselektion entstanden. Milben, die die Brut schneller und stärker befallen, überleben langfristig bei gleichzeitig entstehender Resistenz gegen die Medikamente.

· Das Problem wurde teilweise erkannt und angesichts dieser Situation bleiben der konventionellen Imkerei derzeit nur die Methoden der Bio-Imkerei im Kampf gegen die Varroa, nämlich organische Säuren.

· Bei meinem Neuanfang vor 25 Jahren habe ich das Einheits- und Zandermaß nebeneinander ausprobiert. Bewährt hat sich das neunrahmige Zandermaß. Die Magazinbeute aus Holz (Weymouthskiefer) ist meiner Erfahrung nach die beste Bienenwohnung. Damit kann ich den Bienen trotz Ausnützung der Wirtschaftlichkeit annähernd natürliche Voraussetzungen für eine gute Entwicklung bieten. Die Vorliebe der Bienen für die Hochwabe und die günstige Regulierung des Wärmehaushaltes sind dabei gegeben.

· Der Einsatz von Kunststoffen im Bio-Landbau ist nach Möglichkeit zu vermeiden und in bestimmten Bereichen verboten. Einige Argumente dafür: Die Grundlage für die meisten Kunststoffe ist Erdöl, die Entsorgung ist problematisch. Da sehr viele Lebensmittel natürliche Säuren enthalten, ist die Lagerung in Kunststoffbehältern, auch wenn sie als „lebensmittelecht“ bezeichnet werden, für einen hohen Qualitätsstandard nicht geeignet. Kunststoff ist grundsätzlich ein hartes und sprödes Material. Damit es elastisch wird, müssen so genannte Weichmacher eingearbeitet sein. Diese Weichmacher werden von Säuren ausgelaugt. Kunststoffbeuten sind in der Bio-Imkerei nicht gestattet.

· Die eigenen Produkte am Markt direkt an die Endverbraucher zu verkaufen, ist eine natürliche und sehr zufriedenstellende Tätigkeit, die schon lange Tradition hat. Ein möglichst umfassendes Wissen über den Bio-Landbau und auch dessen Philosophie ist ganz wesentlich für die Informationsweitergabe und Diskussion bzw. Argumentation gegenüber unserer Kunden.

Für Umsteiger / Neueinsteiger

Wenn sich Imker zur Umstellung auf biologische Bienenhaltung entschließen, muss im Normalfall das bestehende Betriebswachs ausgetauscht werden. Die üblichen Medikamentenrückstände sind durch „Ausdünnung“ nur sehr langsam zu bewältigen. Die aktuellen Rückstände können durch Vermittlung der Landesverbände kostengünstig überprüft werden. Keinesfalls ist mit einem Umtausch auf Handelsmittelwände eine Rückständeverminderung möglich. Man handelt sich womöglich mehr Medikamente ein. Bienenbeuten müssen gereinigt (abgeflammt) werden. Wachs und Propolis müssen zur Gänze entfernt werden. Neue Rähmchen werden mit geprüften, rückstandsfreien Mittelwänden ausgestattet.
Neueinsteiger beginnen am besten mit neuen Beuten. Es muss darauf geachtet werden, dass die Bienen entweder in Form von nackten Schwärmen oder mit den Waben eines zertifizierten Bio-Imkers eingekauft werden. Erweitert wird nur mit neuen Rähmchen und zertifizierten Mittelwänden.
Für Umsteiger hat sich auch eine zeitlich beschränkte „Zweigleisigkeit“ bewährt: man beginnt eine neue biologische Schiene und erweitert diese, die konventionelle lässt man auslaufen.
Jedenfalls ist als Vorbereitung ein Umstellungskurs für Bio-Imkerei zu empfehlen. Solche Kurse werden fallweise angeboten, der Besuch (zweitägig) ist für angehende Bio-Austria Mitglieder Pflicht.
Die nächste diesbezügliche Schulung findet bei uns in Oberösterreich am 2. und 3. März 2007 in der Landwirtschaftskammer in Linz statt. Eine detaillierte Einladung folgt.

Auszug aus den Richtlinien für biologische Bienenhaltung

Aufstellung der Bienenvölker
Die Standorte sind so zu wählen, dass die Belastungen für die Bienen so gering wie möglich sind. Biologisch bewirtschaftete Flächen sind zur Aufstellung zu bevorzugen. Besteht Verdacht auf zu hohe Schadstoffbelastungen, sind die Bienenprodukte zu untersuchen. Bei Bestätigung des Verdachts ist der Standort aufzugeben. In einem Umkreis von 3 km muss die Bienenweide im Wesentlichen aus Pflanzen des ökologischen Landbaus, Waldungen und Pflanzen, die auf Flächen des ÖPUL-Programms angebaut werden, bestehen.
Der Bienenstand muss sich in ausreichender Entfernung von jedweden möglichen nichtlandwirtschaftlichen Verschmutzungsquellen, wie z. B. städtischen Gebieten, Autobahnen, Industriegebieten, Abfalldeponien, Abfallverbrennungsanlagen usw. befinden.

Kommentar:
Der Imker hat keinen nennenswerten Einfluss auf die Gestaltung der Landschaft, in welche seine Bienen auf Sammelflug ausfliegen. Er hat normalerweise auch keine Möglichkeit, deren ökologische Bewirtschaftung sicherzustellen oder zu garantieren. Eine biologisch definierte Bienenhaltung kann letztlich nur über Pflegemaßnahmen der Bienenvölker und den Umgang mit deren Produkten geregelt werden.
Die Kulturmaßnahmen an den Bienenvölkern sollen sich an den natürlichen Bedürfnissen der Bienen orientieren. Die Betriebsweise muss so gestaltet sein, dass sich die Lebensäußerungen der Bienen organisch entfalten können.
Die imkerlichen Maßnahmen werden sich vermehrt daran ausrichten müssen, die Vitalität der Bienen zu stärken, weil dies auf Dauer der sinnvollere Weg sein wird, mit der Varroa-Milbe und den veränderten Umweltbedingungen zurechtzukommen.
Letztendlich hat die Bio-Kontrolle die Aufstellung der Bienenvölker zu beurteilen.


Bienenwohnung
Die Bienenwohnungen – mit Ausnahme von Verbindungselementen, Dachabdeckung, Gitterboden und Fütterungselementen – sind vollständig aus natürlichen Materialien (Vollholz, Stroh oder Lehm) zu fertigen.
Beutenschutz:
Eine Innenbehandlung der Bienenwohnung erfolgt nur mit Wachs oder Propolis aus biologischer Bienenhaltung. Eine Außenbehandlung der Bienenwohnung ist nur mit Mitteln aus natürlichen, ökologisch unbedenklichen Rohstoffen zulässig.
Reinigung und Desinfektion:
Die Reinigung und Desinfektion der Bienenwohnung ist ausschließlich mit Wasser und Dampf, Abflammen, Natronlauge und Soda (Natriumcarbonat) erlaubt.

Kommentar:
Holzmagazine im Zandermaß sind für mich die besten wirtschaftlichen Bienenwohnungen. Kunststoffbeuten sind in der Bio-Imkerei nicht gestattet. Zu den schon angeführten Gründen kommt noch, dass das Klima in diesen Bienenkästen „zu gut“ ist. Die Reaktion der Bienen auf die Außentemperatur ist nicht unbedingt natürlich. Sie brüten nachweislich länger und jeder Imker weiß, dass das nur der Varroa-Vermehrung dient. Meiner Ansicht nach ist die Honigreifung nur in Kästen aus natürlichen Stoffen optimal möglich. Ich lasse deswegen auch die übliche Plastikfolie auf den Holzmagazinen weg. Man kann dazu ein Baumwoll-Wachstuch verwenden. Zur Kunststofferzeugung wird kostbares Erdöl verbraucht, unser wunderbares Holz (wächst nach) wird schlecht genützt.


Der aktuelle Monatshinweis

Die Bienen befinden sich jetzt in absoluter Winterruhe und sollten so wenig als möglich Störungen ausgesetzt sein. Jetzt ist für die Imker/innen die beste Zeit sich zu überlegen, ob auf Grund meiner Hinweise nicht doch eine Umstellung in Angriff genommen werden soll.
In heute schwierigen Zeiten für unsere Honigbienen und deren ständig weniger werdenden Betreuer/innen, sollte man eigentlich die Arbeit nicht noch vermehren. Obwohl die Imkerschaft bei vielen Problemen zwar keine Schuld trifft, müssen die Herausforderungen unserer Zeit richtig erkannt und bewältigt werden. Ich habe in den letzten Monaten in Deutschland Imker kennen gelernt, die neuerdings nach Schwarmfreudigkeit auslesen. Es sind dies zwar Hobbyimker, aber an ihren Absichten ist einiges dran.
Die Bienengesundheit wird in Zukunft unser wichtigstes Anliegen sein. Gifteinsätze bei der Bienenhaltung müssten eigentlich verboten werden. Wer noch immer Perizin oder das bei uns verbotene Amitraz und ähnliche Mittel zur Varroareduktion verwendet, trägt nicht nur zur oben angeführten Rückstandsbildung, sondern auch zur „Varroazucht“ bei. Dass diese und andere problematische Mittel verwendet werden, ist bekannt und wird mir auch von Imkern bestätigt. Medikamentenrückstände kann man unter Umständen wieder beseitigen, hochgezüchtete Gegenspieler bleiben uns erhalten.
Den Beweis, dass rückstandsfrei gearbeitet wird, kann nur eine umfassende Kontrolle liefern. Diese ist durch die Kontrollfirmen im Bio-Landbau am ehesten möglich. Noch wichtiger als solche Kontrollen ist aber die ständige Hinterfragung des eigenen Standpunktes als verantwortungsbewusster Imker.

Die Betreuung unserer Honigbienen ist eine wunderbare Beschäftigung und die sollte auch in ferner Zukunft noch möglich sein.

Hans Rindberger