Stille Umweiselung -- Alt- und Jung-Königin gemeinsam im Volk?

pdfkungfoo

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Letzte Woche gelesen -- heute selbst erlebt...

Während der Übergangsphase einer stillen Umweiselung pflegt das Volk die Alt-Königin noch eine Zeitlang weiter und lässt sie stiften, so lange bis die Jung-Königin ebenfalls in Eilage ist. Das Volk existiert also zeitweise mit zwei Königinnen, und es schafft die "Alte" erst dann endgültig ab, nachdem die Junge bewiesen hat, dass sie besser ist. Das jedenfalls habe ich letzte Woche irgendwo gelesen, ich weiss nicht mehr, wo (ich glaube, es war eine amerikanische Webseite).

Heute am Spätnachmittag ging ich meinem Imkerpaten (der imkert seit fast 50 Jahren) ein wenig zur Hand, als er zwecks "Teilen und Behandeln" seine Völker in Flugling (mit Altkönigin) und Brutling aufteilte. Während unseres Werkelns befragt ich ihn zum Thema. Er hatte davon noch nichts gehört, und hatte es selbst auch noch nie beobachtet.

Zwanzig Sekunden später: er zieht eine Wabe beim nächsten frisch geöffneten Volk, um die Alt-Königin zu suchen. Was sehen wir? Eine seitlich aufgebissene Nachschaffungs-Zelle! Auf der nächsten Wabe dann eine weitere Nachschaffungs-Zelle, aber diesmal unten lehrbuchmäßig geöffnet, wobei der Deckel noch abgeklappt nach unten an der Zelle hing. "Die ist ganz frisch geschlüpft", meinte mein Pate, "höchstens letzte Nacht! Und sie hat daraufhin sofort die andere Zelle vernichtet..."

Auf der wiederum nächsten Wabe fanden wir ganz frische, noch senkrecht stehende Stifte -- und die blau (2015) markierte Stockmutter spazierte munter darauf umher. Mein Pate ist kein Freund von ausgiebigem Schauen, daher verzichteten wir darauf, nach der Jung-Königin zu fahnden.

Dennoch ist dies für mich ein schöner Indizien-Beweis für die eingangs geschilderte Theorie zur stillen Umweiselung, und auch mein Pate hat was Neues dazugelernt....

Vermutlich werde ich aber nicht erleben, dass ich dabei bin, wenn die Jung-Königin dieses Volkes erstmals legt, während die Alt-Königin ebenfalls noch aktiv ist. Schließlich wurde es geteilt -- und Wabe mit der Blauen wanderte in den neu gebildeten Flugling. (Jetzt könnte man sich ja auch noch ausmalen, was passieren wird, falls die Jung-Königin unentdeckt gemeinsam mit der Blauen im Flugling gelandet ist: dann könnte es sein, dass man in ein, zwei Wochen, oder beim späteren Wieder-Vereinigen im ex-Flugling keine blau markierte Stockmutter mehr findet, sondern eine ungezeichnete Königin...)
 

Josef Fleischhacker

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Ein Top Bericht kurt, nun wurdest ebenfalls zu einem Botschafter der wunderbaren stillen Umweiselung, Dein Pater wird den Hut vor Deinem Wissen ziehen. Einen Punkt darf ich noch anführen, die alte Königin wird nie beseitigt, sie darf wohnen und leben solange sie will, allerdings gelangt sie immer mehr in Hintertreffen, irgendwann liegt sie beim Flugloch, betrauert von den Bienen.

Die "Blaue" solltest Euch aufheben, gerade solche Königinnen sind immer wieder die besten Königinnen.

Josef
 

Nils

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Ein interessanter Bericht, den ich selbst so ähnlich erlebt habe:

Vor ca. 2 Jahren schaute ich im Juli/August ein Volk durch. Es war die letzte Durchschau vor dem Winter.
Bereits auf der zweiten Wabe fand sich die Königin ein nebst vielen Stifteln. Wunderbar, dachte ich noch, da paßt ja alles. Nur, warum bist du so schlank Königin, ich habe dich fetter in Erinnerung! (Meine Königinnen sind ungezeichnet).

Auf der nächsten Wabe dann weitere Stifte und auf der dritte Wabe dann .... eine dicke, fette Königin die gerade stiftelte!
Ich fand dann irgendwo auch eine Zelle aus der die Junge kam sowie auch ausgebissene Zellen. Recht tief reingeschaut habe ich dann nicht mehr und alles so belassen wie es ist.

Das Volk entwickelte sich gut weiter, ich schaute nicht mehr rein. Spät im Herbst dann lag eines Tages eine tote Königin vor dem Flugloch. War es die Alte? War es die Junge? Wer weiß.
Ein wenig ins Grübeln kam ich dann doch, ob nun alles paßt oder nicht. Aber so spät reinschauen - wozu? Ändern könnte man eh nichts mehr. Also tat ich nichts, behandelte ganz normal, fütterte weiter auf - und nächstes Jahr entwickelte es sich zu einem schönen Volk.

Auch heuer habe ich kürzlich in mehreren Völkern Zellen gefunden. Wenn es nur 2 oder 3 Zellen sind, mache ich nichts. Ich gehe dann von einer stillen Umweiselung aus, bei der ich mich nicht einmische. Nun hoffe ich daß alles hinhaut und sie nicht doch noch auf dumme Ideen kommen und im September ein Schwarm abgeht....
(Hatte ich auch schon mal...)

Servus,

Nils
 

Hagen

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Das scheint dann aber situativ
unterschiedlich zu sein.
Denn ich habe auch schon mehrfach beobachtet, dass die Alte
getötet wurde, nachdem die Junge geschlüpft war.
Einmal wollte ich es noch verhindern, weil ich die
Alte für eine kurzzeitige Übergangslösung verwenden wollte.
Sie viel dann aber zwischen den Gängen durch und es bildete sich ein
Knäuel am Boden der Beute, aus der die alte Königin nicht
lebend heraus kam.

Der Bericht oben ist mir nun auch neu, aber ich finde es sehr interessant,
und vor allem erscheint mir dieses Vorgehen logischer und
naturgemäßer.
Danke für den Bericht.

VG
Hagen
 

Tschiwi0

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Vor Jahren.
Bei der Kontrolle entdeckte ich im vorderen Teil der Beute die gezeichnete Königin und im hinteren Teil eine junge Kö, welche schon ein Brutnest angelegt hatte.
Natürlich habe ich der Natur freien Lauf gelassen.
Eine gewisse Zeit (ca 14 Tage) war vorne ein Brutnest und hinten eines. In der Mitte war eine unbebrütete Wabe, welche mir wie ein Schied vorgekommen ist, welche nicht überschritte/überbrütet wurde.
Nach ca 3 Wochen fand ich die gezeichnete Königin nicht mehr.

Fritz
 

Tschiwi0

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Wieder ich!
Ich hegte eine *Grüne* (4 Jahre), weil ich auch gute Nachzuchten davon habe.
Gestern - ich war in Salzburg und habe am Abend geschaut, ob ich zum Imkern eine Leiter brauche,
war am Flugbrett *meine* Grüne.
Leider im Himmel der Bienen.
Ein paar tieftrauerne Anhängerinnen haben noch Totenwache gehalten. Dann ist eine mit ihr abgeflogen.
Die hat vermutlich den Ernst der Sache kapiert und der Trauer ein Ende bereitet.
Bei der Nachschau habe ich weder eine Königin, jedoch Stifte angetroffen. Eine WZ war ganz am unteren Ende
einer Wabe - aber schön geöffnet.
Hoffe, dass es gut geht.

Mit Gruß
Fritz


ps: was mir noch aufgefallen ist, dass die Völker durch die Schlechtwetterperiode ziemlich mit dem Brüten nachgegeben haben.
 

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