Drohnenbrütiges Volk abfegen versus aufsetzen?

Sturmimker

Mitglied
Registriert
24 Feb. 2016
Beiträge
1.516
Punkte Reaktionen
12
Alter
49
Ort
Obersiebenbrunn
Imker seit
2015
Heimstand
Obersiebenbrunn
Rähmchenmaß/Wabengröße
Zander Jumbo/Flach
Schwarmverhinderung wie
keine, nur wieder fangen
Eigene Kö Zucht ja/nein
Ja
Liebe Kollegen,
Ich habe eine Frage die mir Kopfzerbrechen verursacht.
Die standartisierte Vorgehensweise bei einem buckelbrütigen Volk dürfte klar sein. Ein Volk hat, aus welchen Gründen auch immer, ihre Königin verloren. Eine oder mehrere Arbeiterinnen beginnen unbefruchtete Eier zu legen u.s.w.

Ich habe heuer bei drei solcher Kandidaten eine unkonvetionelle Methode versucht. Diese drohnenbrütigen Völker wurden ohne irgend welche Sicherheitsmaßnahmen einfach auf Schwächlinge aufgesetzt. Fazit: Kein Problem. Ich frage mich, war es einfach nur Glück oder ist die Variante "immer abfegen!!!" nur ein Märchen? Können Drohnenmütterchen fliegen? Ja, da bin ich mir sicher! Ich hab schon solche Völker in reichlich Entfernung abgefegt/aufgelöst und auf helle bebrütete Waben neu einfliegen lassen. Und siehe da, bereits am nächsten Tag waren eindeutige Hinweise für das vorhanden sein von Drohnenmütterchen klar ersichtlich (mehrere Stifte in einer Zelle).
Mir ist klar, welch ein Risiko ich hier zu Ungunsten von an sich intakten Königinnen eingegangen bin. Ich wollte es einfach wissen und hab was gelernt.
Ich überlege ob dieses "Abfegen" tatsächlich notwendig und/oder sinnvoll ist. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

lg Michael
 

honigmaul

Mitglied
Registriert
29 Aug. 2008
Beiträge
647
Punkte Reaktionen
0
Ort
Hausruckviertel, Österreich
Imker seit
1991
Rähmchenmaß/Wabengröße
Zander
Schwarmverhinderung wie
Zwischenableger, noch nichts besseres gefunden, aber auf der Suche
Eigene Kö Zucht ja/nein
Ja
Hallo Sturmimker!

Ich habe voriges Jahr auch ein drohnenbrütiges Volk über Absperrgitter einem Kleinvolk aufgesetzt. In der aufgesetzten Zarge habe ich das Stoppelflugloch geöffnet, damit die Drohnen abfliegen können. Aber was dann passiert ist, hat mich erstaunt, denn es vollzog keine Vereinigung. Das aufgesetzte Volk verhielt sich auch weiterhin drohnenbrütig und das weiselrichtige Volk ließ sich auch nichts anmerken.

Das empfohlene Abfegen hat vermutlich den Sinn, dass sich die Bienen einbetteln müssen und Drohnenmütterchen entweder dort nicht auftauchen oder nicht eingelassen werden, oder zumindest keinen Schaden anrichten. Aber wie wir wissen, richten sie auch so nicht immer einen Schaden an.

Wenn du nach dem Abfegen einen Tag später sofort wieder Stifte gesehen hast, dann könnte es auch sein, dass zwar die alten Drohnenmütterchen nicht mehr da waren, aber sofort wieder neue aktiv wurden. Es wird ja vermutlich nicht so sein, dass bei einem drohnenbrütigen Volk nur eine gewisse Zahl Drohnenmütterchen vorhanden sind und alle anderen Bienen ganz normale Arbeiterinnen sind. Da gibt es sicher alle möglichen Zwischenstadien.

MfG
Honigmaul
 

Josef Fleischhacker

Administrator
Teammitglied
Registriert
18 Jan. 2007
Beiträge
38.843
Punkte Reaktionen
155
Alter
71
Ort
3710 Fahndorf 86
Imker seit
1976
Heimstand
JA
Wanderimker
Ja
Rähmchenmaß/Wabengröße
ÖBW
Schwarmverhinderung wie
ZWA -Zwischenableger
Eigene Kö Zucht ja/nein
Ja
Ich habe heuer bei drei solcher Kandidaten eine unkonvetionelle Methode versucht. Diese drohnenbrütigen Völker wurden ohne irgend welche Sicherheitsmaßnahmen einfach auf Schwächlinge aufgesetzt.

Kannst machen, auch die Beute ausräumen, folglich eine offene Brutwabe einhängen, oder eben besagtes auflösen in einer weit entfernten Ecke des Gartens bieten sich an. Nun ja, reden wir darüber

* aufsetzen auf ein anderes Volk, was bitte sollte dies bringen, jedoch besteht eine eminente Gefahr für die Stockmutter

* offene Brutwabe einhängen, damit egalisiert man im besten Falle den Völkerbestand, auf der Sollseite sind bedeutend mehr Arbeit und dies ohne Aussicht auf Honigertrag

* auflösen in einer Ecke des Gartens, diese Methode ist bewährt, die Bienen gehen nicht verloren, die gefährlichen Aftermütterchen haben keinerlei Chance um ihrer Tätigkeit noch weiterhin nachkommen zu können.

Ich frage mich, war es einfach nur Glück

Ziemlich sicher sogar, denn diese Aftermütterchen und deren engsten Getreuen wohnen und residieren nun oben im gewissermaßen Herrschaftsbereich, alles was unterhalb und immer weiter in Nähe des Flugloches ist, dies ist stets im gefährdeten Bereich.

Können Drohnenmütterchen fliegen? Ja, da bin ich mir sicher!

Kommt darauf um welche es sich handelt, Königinnen denen der Samenvorrat ausging sicher nicht mehr, sie sind ja weiterhin dick und schwer.

Zarte Kö aus NsZ ganz sicher, die sind flink, immer agil, ganz genau diese sind es auch die die gefährlichsten sind.

Josef
 

Chrigel

Mitglied
Registriert
13 Sep. 2009
Beiträge
5.012
Punkte Reaktionen
33
Ort
Hombrechtikon
Imker seit
1958
Eigene Kö Zucht ja/nein
Ja
Hallo Sturmimker!
Wenn du nach dem Abfegen einen Tag später sofort wieder Stifte gesehen hast, dann könnte es auch sein, dass zwar die alten Drohnenmütterchen nicht mehr da waren, aber sofort wieder neue aktiv wurden. Es wird ja vermutlich nicht so sein, dass bei einem drohnenbrütigen Volk nur eine gewisse Zahl Drohnenmütterchen vorhanden sind und alle anderen Bienen ganz normale Arbeiterinnen sind. Da gibt es sicher alle möglichen Zwischenstadien.

MfG
Honigmaul

ich erinnere an ein früheres Thema. Posting 19 unterstreicht deine richtige Annahme.
https://www.bienenforum.com/core/showthread.php?12542-Erkennt-man-eine-Afterweisel/page2&highlight=Afterweisel
Chrigel
 

nickerlbien

Mitglied
Registriert
28 März 2015
Beiträge
2.326
Punkte Reaktionen
8
Alter
57
Ort
Braunau am Inn
Imker seit
2014
Heimstand
Braunau am Inn
Wanderimker
Nein
Rähmchenmaß/Wabengröße
Dadant, MiniPlus
Schwarmverhinderung wie
Zwischenbodenableger mit Rückvereinigung
Eigene Kö Zucht ja/nein
Ja
Das Volk meines jüngsten war im Frühjahr auch drohnenbrütig.
Keine Königin im Volk und viele verstreute Drohnenzellen in Arbeiterinnenzellen.
Ich habe die Waben direkt vors Flugloch gefegt, nachdem ich einen Ableger eingehängt hatte.
Der Ableger hat sofort die Herrschaft übernommen und es ist jetzt ein schönes Volk, dass bereits einen Honigraum voll hat.
Ich denke, wenn ich den Ableger direkt in das Volk eingehängt hätte und das mit viel Rauch, wäre es genauso gewesen.
Es wird nur wichtig sein, dass die neue Königin ihr eigenes Volk am Flugloch hat und genug Leibwächter um sich herum.
 

Sturmimker

Mitglied
Registriert
24 Feb. 2016
Beiträge
1.516
Punkte Reaktionen
12
Alter
49
Ort
Obersiebenbrunn
Imker seit
2015
Heimstand
Obersiebenbrunn
Rähmchenmaß/Wabengröße
Zander Jumbo/Flach
Schwarmverhinderung wie
keine, nur wieder fangen
Eigene Kö Zucht ja/nein
Ja
Vielen Dank für eure Antworten! Ganz besonders für den Hinweis von Chrigel. Dieser Thread und Christian's Erklärungen zu Afterweiseln, haben so manche meiner Fragen beantwortet.

Ich möchte jedoch noch einmal auf die Frage der Notwendigkeit des Abfegens zurück kommen.
So wie es aussieht bin ich nicht der Einzige dem so ein Versuch schon geglückt ist. Die Völker mit den aufgesetzten Buckelbrütern sind alle wohlauf und trachtreif. Ich glaube einer weiselrichtigen Einheit können Afterweisel keinen Schaden zufügen. Die Kö wird offensichtlich gut beschützt und durch die KÖ-Pheromone sind sehr schnell alle wieder "happy". Es macht für mich schon einen Unterschied ob ich die Kiste einfach auf ein schwaches Nachbarvolk aufsetze oder abfege/auflöse. Sicherlich werde ich niemanden zur Nachahmung anstiften aber ich werde das weiter betreiben. Wichtig ist sicherlich dass wirklich keine Königin (unbegattet oder drohnenbrütig) drinnen ist. Aber das erkennt man relativ einfach, Stichwort "heulen"

lg Michael
 
Oben